2009! Klein, reich, erstaunlich entspannt – willkommen in Brunei, wo der Sultan im Palast residiert und das halbe Volk auf Stelzen wohnt. Zwischen goldenen Kuppeln, tropischem Dschungel und strengem Alkoholverbot zeigt das Land, dass man auch mit Ruhe Eindruck machen kann.

Gold, Glaube und Gelassenheit

Bandar Seri Begawan

Weiter geht’s. Nächster Halt: Brunei Darussalam, das „Haus des Friedens“. Schon beim Einlaufen in den Hafen von Muara glitzern goldene Kuppeln zwischen Palmen, und man spürt sofort, dass hier alles etwas geordneter, bedächtiger und vielleicht auch ein kleines bisschen ehrfürchtiger ist.

Brunei ist winzig – kaum so groß wie Schleswig-Holstein – aber dank seiner Öl- und Gasvorkommen unglaublich reich. Der Reichtum zeigt sich nicht in Luxusvierteln oder lautem Pomp, sondern eher in glänzenden Kuppeln, sauberen Straßen und einem Staat, der seinen Bürgern fast alles bietet: kostenlose Bildung, Gesundheitsversorgung, subventioniertes Benzin – und einen Sultan, der über allem wacht.

Seit 1967 regiert Sultan Hassanal Bolkiah, 29. Monarch seiner Linie, Oberhaupt von Religion und Staat – und laut Forbes einst einer der reichsten Menschen der Welt. Offiziell ist Brunei eine absolute Monarchie unter islamischem Recht, aber im Alltag spürt man vor allem: Hier herrscht Ordnung, Stolz und eine tiefe Religiosität. Laut wird es höchstens, wenn der Muezzin ruft – und selbst das klingt sanft.

Und dennoch: Ganz so still geht es hier nicht immer zu. Zum 50. Geburtstag des Sultans ließ Michael Jackson einfliegen – ja, den Michael Jackson. Popkönig trifft Sultan, mitten im tropischen Dunst von Borneo. 

Zwischen Palastmauern, Glitzerjacke und höflich nickenden Ehrengästen wurde an diesem Abend mehr gestaunt als getanzt – aber eines ist sicher: So viel „Thriller“ hatte Brunei davor und danach wohl nie wieder.

Die Hauptstadt Bandar Seri Begawan ist das Herz des Landes – ruhig, sauber und fast meditativ. Keine Großstadt im klassischen Sinn, sondern eine Mischung aus Verwaltungssitz, Gebetsstätte und tropischer Idylle. Breite Straßen, wenig Verkehr, Palmen, gepflegte Parks und ein Fluss, der mitten hindurchfließt. Zwischen Moscheekuppeln und Ministerien mischt sich das Leben leise, geordnet, fast gemächlich. Es ist eine Stadt ohne Hektik, aber mit Haltung – ein Spiegelbild des ganzen Landes.

Etwas außerhalb glänzt der Istana Nurul Iman, der Palast des Sultans – laut Guinness-Buch der Rekorde der größte bewohnte Palast der Welt, mit über 1.700 Räumen. Ein Monument der Macht, das man leider nur einmal im Jahr von innen sehen darf: beim islamischen Fest Hari Raya, wenn der Sultan zehntausende Bürger empfängt, Händeschütteln inklusive. Wir sahen das Areal nur aus der Ferne, aber allein die goldenen Dächer reichen, um zu ahnen, wer hier wirklich den Ton angibt.

Brunei

Moscheen, Marmor und ein Prinz im Museum

Bandar Seri Begawan

Wer Brunei verstehen will, muss seine Moscheen sehen. Gleich zwei prächtige Bauten erzählen hier mehr über Glaube und Glanz als jedes Geschichtsbuch.

Die Omar-Ali-Saifuddien-Moschee mitten im Zentrum wirkt wie ein Ruhepol in Marmor gegossen – so still, dass selbst die Sonne langsamer scheint. Noch eindrucksvoller aber ist die Jame’ Asr Hassanil Bolkiah-Moschee mit ihren vergoldeten Kuppeln und blau-weißen Mosaiken. Wer sie betritt, tut das barfuß – leise, ehrfürchtig und mit leichtem Staunen im Blick. Der Boden glänzt, die Luft riecht nach Räucherwerk, und das Gold an den Wänden funkelt, als würde es atmen.

Nach so viel Glanz ging es weiter ins Museum der Kroninsignien – eine Schatzkammer voller Geschenke, Zepter und höfischer Pracht. Und dann dieser Moment: Während wir ehrfürchtig durch die goldenen Vitrinen schlenderten, kam plötzlich Prinz Martin vorbei – ganz entspannt, in sportlicher Kleidung, ohne großes Gefolge. Unsere Reiseleiterin war völlig aus dem Häuschen, strahlte über beide Ohren und flüsterte aufgeregt: „Das ist Prinz Martin!“

Einen echten Prinzen getroffen – dann habe ich das auch mal erledigt!

Omar-Ali-Saifuddien-Moschee

Alltag auf Stelzen – das Leben im Wasserdorf

Bandar Seri Begawan

Nach all dem goldenen Glanz wollten wir wissen, wie Brunei wirklich lebt – und fanden die Antwort auf Stelzen: im Kampong Ayer, dem legendären Wasserdorf. Schon im 14. Jahrhundert wurde es von chinesischen Händlern als „Venedig des Ostens“ beschrieben – ein Titel, der hier erstaunlich gut passt, nur dass die Gondeln durch bunt bemalte Holzboote ersetzt wurden und statt Opernarien ein Hahn kräht.

Rund 30.000 Menschen leben hier über dem Wasser, verteilt auf Dutzende Dörfer, verbunden durch ein Netz aus Kilometern von Holzstegen und Brücken. Es gibt kleine Supermärkte, Moscheen, Schulen, Polizeistationen – und ja, auch eine Feuerwehr auf Stelzen. Vom Boot aus sieht das Ganze aus wie ein schwimmendes Spinnennetz aus Holz, Kabeln und Alltag.

Kinder rennen barfuß über die Planken, Jugendliche düsen auf knatternden Wassertaxis zur Schule, Frauen unterhalten sich über die Balkone hinweg, während Wäsche in der feuchten Luft flattert. 

Unter uns plätschert der Fluss, über uns surrt ein Ventilator, und dazwischen: pure Gelassenheit.

Wir durften auch einen kurzen Blick in eines der Häuser werfen – einfach, aber lebendig. Ein paar Möbel, Familienfotos an den Wänden, der Geruch von Tee und Holz. Kein Luxus, aber auch kein Mangel – eher das Gefühl, dass hier jeder jeden kennt und das Leben mit weniger Lärm und mehr Lächeln funktioniert.

Was früher als Armenviertel galt, ist heute ein offiziell anerkanntes Kulturerbe, das die Regierung bewusst erhält. Viele Familien leben schon seit Generationen hier, und obwohl es inzwischen Wohnungen auf dem Festland gäbe, wollen viele gar nicht weg. Verständlich – wer braucht schon Beton, wenn man auf dem Fluss wohnt und morgens den Sonnenaufgang direkt durchs Wohnzimmerfenster sieht?

Stelzendorf in Brunei

Zwischen Regenwald, Nasenaffen und Paradiesruhe

Bandar Seri Begawan

Während 50 % der Familie das Stadtleben kennenlernen, besuchen die andern 50 % die grüne Seite Bruneis: Ulu Temburong Nationalpark, nur per Boot erreichbar, mitten im Herzen des Regenwalds. Die Berichte am Abend lassen aufhorchen. Schon die Anfahrt ist ein Erlebnis – vorbei an Mangroven, durch stille Flussarme, begleitet von Reihern und gelegentlichem Affengebrüll aus dem Dickicht.

Bruneis Natur ist überraschend wild. Über 70 % des Landes sind noch mit dichtem Tropenwald bedeckt, darunter einer der ältesten Regenwälder der Erde. Hier wächst und krabbelt alles gleichzeitig: bunte Schmetterlinge groß wie Hände, Pfeilgiftfrösche mit Designerfarben, Ameisenstraßen, die nach militärischer Disziplin aussehen, und Pflanzen, die sich gegenseitig zu übertrumpfen scheinen.

Das Highlight sind die berühmten Nasenaffen, Bruneis eigenwilligste Bewohner. Nur auf Borneo heimisch, erkennt man sie schon von weitem – wegen ihrer überdimensionalen Nasen und ihrer gemütlichen Haltung, als hätten sie beschlossen, dass Eile überschätzt wird. Die Männchen schnaufen, glucksen und posieren auf Ästen, während ihre Familien träge über die Äste turnen. Mit ihren runden Bäuchen, langen Schwänzen und fast menschlichen Gesichtern sind sie so schräg, dass man sie sofort ins Herz schließt.

Abends, zurück an Bord des Schiffs, glühte in der Ferne wieder die goldene Kuppel der Moschee. Unter uns der Fluss, über uns der Sternenhimmel – und dazwischen dieses Land, das Reichtum leise trägt und Demut groß schreibt. Brunei: klein, gelassen, wunderbar eigensinnig.

Mangroven in Brunei

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Das war Brunei!

Brunei ist vielleicht kein Partyziel, aber definitiv ein Original. Goldene Moscheen, flüsternde Flüsse, Nasenaffen mit Charakter – und ein Sultan, der alles im Griff hat. Ein Land so ruhig, dass man fast flüstert, um es nicht zu stören.

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