2009: Leuchtend, laut, lebendig! In Hongkong trifft Asien auf Westen, Tempel auf Türme, Dampf auf Dunst. Eine Stadt, die nie ganz schläft – aber immer wieder Momente findet, in denen die Zeit stillzustehen scheint.
Stadt der Gegensätze
Hongkong
Willkommen in Hongkong – einer Stadt, die aussieht, als hätte jemand Manhattan, Bangkok und einen botanischen Garten miteinander vermischt. Über sieben Millionen Menschen, dutzende Inseln, Hochhäuser bis zum Himmel – und dazwischen plötzlich wieder Dschungel, Tempel und Stille. Hongkong war über 150 Jahre britische Kronkolonie, heute gehört es zu China – aber irgendwie bleibt es immer ein bisschen Hongkong.
Seine Geschichte liest sich wie ein Crashkurs in Globalisierung: 1842 fiel Hongkong nach dem Ersten Opiumkrieg an Großbritannien, wurde zum Handelstor zwischen Ost und West – und wuchs rasant vom Fischerdorf zur Weltmetropole. Nach der Rückgabe an China 1997 blieb es dank des Prinzips „Ein Land, zwei Systeme“ eine Sonderverwaltungszone mit eigener Währung, Rechtsprechung und Meinungsfreiheit. Heute zählt Hongkong zu den wichtigsten Finanzzentren der Welt, Drehscheibe für Asienhandel und Symbol für den Spagat zwischen Tradition, Freiheit und chinesischer Kontrolle.
Mein erster Halt: der Kowloon Park, eine grüne Pause mitten im Gewusel. Wer hier spaziert, hört Vogelgezwitscher statt Verkehrslärm, sieht Senioren beim Tai Chi und Flamingos beim Dösen. Inmitten von Palmen, Lotusteichen und Skulpturen vergisst man fast, dass nur ein paar Meter weiter Leuchtreklamen blinken und Garküchen dampfen.
Kaum draußen, ist man wieder mittendrin im typischen Hongkong-Chaos: hupende Minibusse, Duft von gebratenen Nudeln und Räucherstäbchen, englische Straßennamen neben chinesischen Zeichen. Und abends – wenn über dem Victoria Harbour die „Symphony of Lights“ beginnt – tanzen Laser, Musik und Wolkenkratzer um die Wette.
Hoch hinaus – und tief durchatmen
Hongkong
Der nächste Tag führt zum Klassiker: dem Victoria Peak, 552 Meter über dem Meer und dem täglichen Wahnsinn. Schon die Fahrt mit der alten Zahnradbahn ist ein Erlebnis – so steil, dass man glaubt, die Stadt rutsche rückwärts weg. Oben angekommen, breitet sich Hongkong unter einem aus wie ein leuchtendes Schaltbrett: glitzernd, dicht, surreal schön.
Schwer zu glauben, dass hier früher ein kleines Fischerdorf lag, das erst durch den britischen Handel im 19. Jahrhundert groß wurde. Heute ist Hongkong Finanzzentrum, Kulturmix und kulinarisches Wunderland in einem. Wer aber glaubt, die Stadt bestünde nur aus Beton, sollte sich auf den Rundweg um den Peak wagen: Dschungelgeräusche, Schmetterlinge – und plötzlich wirkt das alles gar nicht mehr wie Megacity, sondern wie Tropenidylle mit Aussicht.
Am Nachmittag geht’s weiter nach Lantau Island, wo der Tian Tan Buddha thront – 34 Meter hoch, aus 202 Bronzeplatten gefertigt und fast 250 Tonnen schwer. Er wurde 1993 nach zwölfjähriger Bauzeit fertiggestellt und gilt als Symbol für Harmonie zwischen Mensch, Natur und Religion. Seine rechte Hand steht für Schutz und Segen, die linke für Mitgefühl. Der Buddha sitzt auf einem Lotus-Thron über einem Tempelkomplex, der nach dem Vorbild des himmlischen Altars in Peking erbaut wurde. Gleich nebenan liegt das Po-Lin-Kloster aus dem Jahr 1906, eines der wichtigsten buddhistischen Klöster Hongkongs – ein stiller, duftender Ort, an dem Räucherstäbchen, Gebetsglocken und vegetarische Küche eine eigene friedliche Welt schaffen.
Nach drei Tagen voller Neon, Natur und Nudelsuppen bleibt vor allem eins: Hongkong ist keine Stadt, sondern ein eigener Aggregatzustand – irgendwo zwischen Hochhausrausch, Hafenruhe und Geschichte im Zeitraffer.
Zwischen Glanz, Geschichte und Glücksspiel
Macau
Nur eine Stunde mit der Fähre, und man landet in einer ganz anderen Welt: Macau, die charmante kleine Schwester mit portugiesischem Akzent. Über 400 Jahre stand sie unter portugiesischer Verwaltung – von 1557 bis 1999 –, und das sieht man noch heute an jeder Ecke: pastellfarbene Häuser, barocke Kirchen, gepflasterte Plätze und Straßennamen, die klingen wie aus einem Fado-Lied. Mit rund 700.000 Einwohnern auf nur 30 Quadratkilometern ist Macau zwar winzig, aber dicht besiedelt, wohlhabend und kulturell einzigartig. Seit der Rückgabe an China ist es – wie Hongkong – eine Sonderverwaltungszone mit dem Prinzip „Ein Land, zwei Systeme“ und genießt damit weitgehende Autonomie.
Historisch war Macau das Tor Europas nach China. Portugiesische Händler, Jesuiten und Abenteurer machten die Stadt im 16. Jahrhundert zum ersten europäischen Stützpunkt in Ostasien. Von hier aus gingen Gewürze, Seide und Silber um die Welt – und mit ihnen Religion, Architektur und Sprache. Heute ist Macau UNESCO-Weltkulturerbe und gilt als faszinierendes Beispiel gelebter kultureller Symbiose: katholische Kathedralen neben taoistischen Tempeln, Pastéis de Nata neben Dim Sum.
Doch kaum biegt man um die Ecke, steht man plötzlich vor Las Vegas in Fernost. Das Venetian, das Grand Lisboa, das Galaxy Macau – glitzern, funkeln, rauschen. Hier rollt das große Geld, und wer das nicht glaubt, muss nur einmal in die Eingangshalle eines Casinos gehen: Marmor, Kronleuchter und Klimaanlagen, die kälter sind als ein Pokerface.
Und trotzdem hat Macau viel mehr zu bieten als Jetons und Jackpot. Die Ruinen der Pauluskirche, das Wahrzeichen der Stadt, erzählen von Missionaren und Handelsschiffen.
Die Festung Monte Fort bietet einen großartigen Blick über die Altstadt, und in stillen Seitengassen duften Tempel nach Sandelholz.
Zu den schönsten Orten gehört die Kathedrale São Pedro, einst von portugiesischen Seefahrern im 18. Jahrhundert erbaut. Sie war Zufluchtsort und Gebetsstätte für Matrosen, die sich Schutz auf ihren Reisen erhofften. Ihr schlichtes, tropisch gealtertes Äußeres verbirgt ein elegantes Inneres aus dunklem Holz, alten Fresken und stiller, maritimer Andacht.
Ganz anders, aber ebenso eindrucksvoll: der Jardim Lou Lim Ioc – ein klassischer chinesischer Garten, Ende des 19. Jahrhunderts von einem reichen Kaufmann nach Suzhou-Vorbild angelegt. Hier schlängeln sich Brücken über Karpfenteiche, Pavillons spiegeln sich im Wasser, und unter schattigen Bambusdächern nippen Einheimische an Jasmintee. Ein Ort, der zeigt, dass auch das alte China mitten im modernen Macau weiterlebt.
Nicht weit davon entfernt liegt der Ku Lam Long Tempel, ein stiller Ort voller Duft, Farbe und Glauben. Der Tempel ist der Göttin der Barmherzigkeit geweiht, ein Ort, an dem Gläubige Räucherspiralen entzünden und in der warmen Luft Wünsche aufsteigen lassen. Goldene Figuren, rote Laternen und feine Gravuren erzählen Geschichten aus Jahrhunderten chinesischer Spiritualität – ein eindrucksvoller Kontrast zu den funkelnden Fassaden der Casinos.
Abends, wenn die Sonne im Perlfluss versinkt und die Stadt zwischen Lichterglanz und Laternen glüht, versteht man, warum Macau mehr ist als nur ein Zwischenstopp. Es ist der Ort, an dem Ost und West nicht aufeinanderprallen – sondern sich charmant zuprosten.
Das war Hongkong!
Hongkong bleibt ein Ort, der pulsiert und trotzdem zur Ruhe kommt – zwischen Skyline, Straßenküche und stillen Momenten im Dschungel über der Stadt.
Weiter geht es nach Brunei!
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