2023! Die Malediven gelten als einmaliges Traumziel – teuer, exklusiv, fast zu schön, um wahr zu sein. Für uns wurde aus dieser Vorstellung ein Familienurlaub voller Zweifel, Staunen und überraschend viel Ruhe. Zwischen türkisblauem Meer, Schildkröten, Mantarochen und der völligen Entschleunigung zeigt sich schnell: Dieses Paradies ist mehr als nur ein Resort.
Vom Traum, vom Schönreden und vom sanften Abrutschen ins Resort
Vorbereitung
Die Malediven. Sehnsuchtsort, Traumziel, Once-in-a-Lifetime-Place. Auch für uns. Und wie so oft bei uns entsteht der nächste Urlaub nicht am Küchentisch, sondern mitten im aktuellen. Urlaubsmodus an, Alltag aus – perfekte Voraussetzungen, um Entscheidungen zu treffen, die man zu Hause vermutlich noch einmal überschlafen würde. Oder dreimal.
Also machen wir es offiziell: Dieses Traumziel soll Wirklichkeit werden. Natürlich nicht ohne das übliche innere Schönreden. Man macht sowas schließlich nur einmal im Leben. Wir hatten keine klassische Hochzeitsreise. Die Kinder sind noch klein und reisen noch freiwillig mit uns. Das muss man nutzen. Zack – moralische Grundlage gelegt.
Unsere Planung startet, wie fast immer, bodenständig. Auch die Malediven bestehen ja nicht nur aus Postkartenresorts mit Infinity-Pools. Rund 1.200 Inseln verteilen sich auf knapp 26 Atolle. Etwa 200 Inseln sind bewohnt, ein Teil davon klassische einheimische Inseln mit Dörfern, Moscheen und Alltagsleben. Der andere Teil gehört den berühmten Ferienressorts. Eine Insel, ein Hotel, eine eigene Welt.
Wir finden schnell, was zu uns passt: eine kleine Pension auf einer einheimischen Insel. Authentisch, urig, bezahlbar. Genau unser Stil. Dazu Flüge zum 2. Januar, erstaunlich moderat – noch ein Argument. Und: letzte Chance vor der Schulpflicht, außerhalb der Ferien zu reisen. Also buchen wir. Pension fix, Flüge fix. Die Malediven sind in der Tasche. Großartiges Gefühl. Hält ungefähr zwei Tage.
Dann lesen wir weiter. Reiseberichte. Bewertungen. Stichwort Müll am Strand. Plastik. Realität. Und ach ja – muslimisches Land. Feierabendbier eher schwierig. Langsam schleichen sich Zweifel ein. War das wirklich die richtige Entscheidung? Sind wir wirklich bereit für Traumstrand plus Müllbeutel?
Also machen wir das, was man in solchen Fällen immer macht: Wir schauen nur mal kurz nach Resorts. Und verlieben uns natürlich sofort. Hals über Kopf. Ein Resort im Baa Atoll – bekannt für Mantas, Walhaie und dieses unfassbare Blau. Von Malé geht es per Inlandsflug oder Wasserflugzeug weiter, schon der Weg dorthin ist Teil des Erlebnisses. Leider auch Teil der Rechnung.
Natürlich ist das teurer. Aber erstaunlich schnell wird aus „viel teurer“ ein „eigentlich gar nicht sooo viel teurer, wenn man bedenkt…“. Vollverpflegung, Traumstrand, kein Müllproblem, kein Nachdenken über Regeln, kein Verzicht auf das abendliche Glas Wein. Und man macht das ja nur einmal. Wirklich.
Am Ende ist die Sache klar: Wir stornieren die Pension, buchen das Resort und sind offiziell dort angekommen, wo wir nie hinwollten – beim klassischen Maledivenurlaub. Mit allem Drum und Dran. Vorbereitung abgeschlossen. Zweifel verdrängt. Vorfreude maximal.
Zwischen Tests, Turbinen und tropischem Staunen
Anreise
Dann ist es so weit. Corona liegt noch nicht weit hinter uns, eher so direkt im Nacken. Also verhalten wir uns vorbildlich. Weihnachten und Silvester in Isolation, Tests im Akkord, doppelt, dreifach – alles, um nicht kurz vor dem Ziel von einem positiven Strich ausgebremst zu werden. Denn am 2 Januar soll es wirklich losgehen. Einmaliges Abenteuer. Keine Ausreden mehr.
Wir fliegen von Berlin über Katar nach Malé. Reibungslos. Erstaunlich reibungslos. Filme, Serien und ein bisschen Bordkino-Narkose verkürzen die Reisezeit – vor allem für die Kinder. Irgendwann wird aus Flugzeug-Tag dann Nachtclub-Atmosphäre, bis wir in den frühen Morgenstunden in der Hauptstadt der Malediven landen.
Malé ist ein Kontrastprogramm. Eine der dichtest besiedelten Hauptstädte der Welt, kaum größer als ein Stadtteil, dafür randvoll mit Menschen, Rollern, Hochhäusern. Politisches, wirtschaftliches und historisches Zentrum des Landes, jahrhundertelang Knotenpunkt im Indischen Ozean, geprägt von Handel, Sultanaten und später britischem Einfluss. Viel Stadt, wenig Strand. Aber das ist auch gar nicht unser Ziel.
Denn wir steigen fast nahtlos um. Nächste Etappe: Wasserflugzeug. Grundsätzlich gibt es zwei Wege ins Paradies – Schnellboot oder eben diese fliegenden Badewannen. Wir entscheiden uns, rein zufällig natürlich, für das Wasserflugzeug. Nicht viel teurer, dafür weniger Seekrankheitspotenzial und deutlich mehr Wow-Effekt.
Und der kommt sofort. Der Start, das Brummen, dann dieser Blick von oben. Inseln, Lagunen, Riffe – alles liegt unter uns, klar, ruhig, fast surreal. Bewohnte Inseln mit Dörfern, Straßen, Sportplätzen. Unbewohnte Inseln mit weißem Strand und grünem Kern. Dazwischen Resorts mit Stegen und Wasserbungalows. Exakt so, wie man es kennt. Nur eben echt.
Nach gut 45 Minuten landen wir auf unserer Trauminsel im Baa Atoll. Inzwischen ist es Vormittag. Wir sind müde, durch, aber hellwach zugleich. Dann dockt das Wasserflugzeug am Steg an – und es passiert.
Es haut einen um. Direkt. Und zwar doppelt. Erst die Hitze. Sonne von oben, tropisch, kompromisslos. Und dann dieser Blick. Weißer Sand, fast grell. Dieses unwirklich helle Blau des Wassers. Dahinter dichter, grüner Dschungel. Selbst mit reichlich Reiseerfahrung im Gepäck: Das ist absurd schön.
Wir werden mit gebastelten Palmenketten empfangen und dürfen direkt einchecken. Unsere Wahl: eine Garten-Villa. Günstigste Kategorie, aber genau unser Ding. Kein direkter Meerzugang, dafür ein kleiner Garten, viel Grün, viel Ruhe. Und der Strand? Keine zwei Minuten entfernt.
Alles passt. Wir stärken uns kurz – und stehen wenige Minuten später schon im Meer und am Pool. Erstes Testen, erstes Grinsen, erstes Ankommen. Die Insel wirkt wie aus dem Bilderbuch. Strand, Wasser, Palmen. Der Urlaub kann beginnen.
Der Urlaub kann beginnen
Baa Atoll
Wir sind da. Und erstaunlicherweise macht uns der Jetlag kaum etwas aus. Die Begeisterung hält uns wach, trägt uns durch die ersten Tage – und wir merken schnell: Die Malediven sind nicht nur spektakulär, sie sind vor allem eines – unglaublich erholsam. Und ja, auch als Familie.
Als wir im Freundeskreis erzählt haben, dass es für uns auf die Malediven geht, kam fast immer derselbe Satz: „Oh toll – aber dann lieber ohne Kinder.“ Wir sind mit unseren Kindern unterwegs, vier und sechs Jahre alt, und stellen ziemlich schnell fest: Wenn man erst einmal angekommen ist, funktioniert das hier erstaunlich gut.
Der Alltag reduziert sich auf ein angenehmes Minimum. Man pendelt zwischen Strand und Pool, mehr Wege braucht es nicht. Das Buffet lässt keine Wünsche offen – egal ob Pommes, Pasta oder exotischer Selbstversuch. Und dann ist da noch der Kids Club.
Täglich Programm: Kokosnüsse bemalen, Palmblätter falten, kleine Bastelaktionen. Die Kinder sind begeistert und nehmen alles mit, was angeboten wird. Mama und Papa bekommen dadurch das wertvollste Urlaubs-Gut überhaupt: eine Stunde Ruhe. Horizontal. Ohne Termine.
Der Erholungseffekt setzt sofort ein. Man muss nichts organisieren, nichts planen, nichts abhaken. Keine Städte, keine Sehenswürdigkeiten, keine großen Ausflüge. Das Leben spielt sich auf dieser kleinen Insel ab – und genau das ist der Zauber.
Der Tagesablauf ist schnell klar und fühlt sich perfekt an: ausschlafen, frühstücken, Strand, Pool, schnorcheln, essen, ausruhen. Kids Club. Noch einmal ins Meer. Duschen, Abendessen, Sonnenuntergang. Fertig.
Erholsamer geht es kaum. Alle sind entspannt. Und schon jetzt ist klar: Dieser Urlaub ist ein voller Erfolg.
750 Meter Paradies, einmal außen rum und tief hinein
Erkundungstour
Erholung ist das eine. Aber eine Insel mit rund 750 Metern Länge will erlaufen, erschnorchelt und verstanden werden. Also mache ich mich regelmäßig auf zur Erkundungstour – wissenschaftlich fundiert, versteht sich, mit sehr vielen Pausen und noch mehr Ablenkungen.
Die Insel ist perfekt dimensioniert: groß genug, um sich nicht wie im Hotelgarten zu fühlen, klein genug, um sich niemals zu verlaufen. Für eine komplette Umrundung brauche ich knapp eine Stunde – wohlgemerkt ohne Zeitdruck, dafür mit häufigem Stehenbleiben, Gucken, Staunen und „Ach komm, hier auch noch kurz“.
Ich laufe am Strand entlang, barfuß im Sand, dann wieder auf schmalen Wegen durchs Inselinnere. Zwischen den Unterkünften geht es durch sattes Grün, Palmen spenden Schatten, irgendwo blühen Orchideen, und über mir hängen sie: Flughunde. Die XXL-Version der Fledermaus. Kopfüber, lässig, eingewickelt wie Graf Dracula im Urlaub. Manchmal lassen sie sich einfach fallen, breiten ihre Flügel aus und segeln davon – elegant, lautlos, ein bisschen unheimlich, aber erstaunlich sympathisch.
Überall finde ich kleine Spots. Ein besonders heller Sandstreifen. Eine Palme, die so schief über dem Wasser hängt, dass sie eigentlich längst hätte umkippen müssen. Eine Schaukel mit Meerblick, die eindeutig zu oft fotografiert wird – von mir eingeschlossen. Man biegt um jede zweite Ecke und denkt: Ja gut, DAS ist jetzt wirklich der schönste Platz der Insel. Spoiler: Ist er nicht. Der nächste kommt gleich.
Aber bei aller Postkartenromantik zeigt sich auch die Realität. An einigen Stellen ist der Strand sichtbar schmaler, der Sand weggespült, das Meer hat sich näher herangearbeitet.
Palmen stehen schief, Wurzeln liegen frei, als hätten sie gerade beschlossen umzuziehen. Der Klimawandel ist hier kein theoretisches Thema, sondern läuft dir buchstäblich vor die Füße.
Und dann kommt mein persönliches Highlight jeder Erkundung: Schnorcheln. Direkt vom Strand. Maske auf, Kopf ins Wasser – Welt aus. Das vorgelagerte Korallenriff beginnt praktisch dort, wo der Sand endet. Klownfische wuseln durch Anemonen, Doktorfische in allen Blauschattierungen ziehen vorbei, Drückerfische gucken streng, Kugelfische wirken permanent beleidigt. Dazwischen gleiten Riffhaie vorbei, völlig entspannt.
Einmal begegnet mir ein kleiner Stachelrochen, lautlos, elegant, fast schüchtern. Und an einem Nachmittag liege ich am Strand, döse vor mich hin – und sehe plötzlich draußen am Riffende Bewegung: Delfine. Springend, auftauchend, wieder weg. Zu weit für einen Sprung ins Wasser, aber nah genug, um dieses breite Urlaubsgrinsen auszulösen.
Das Riff fällt an manchen Stellen abrupt ab. Wer sich bis dorthin wagt, erlebt nochmal eine ganz andere Szenerie. Das Wasser wird tiefdunkel, fast mystisch. Große Fischschwärme ziehen vorbei, Thunfische schießen wie Unterwasser-Raketen durchs Blau. Einmal erspähe ich in der Ferne sogar einen riesigen Kugelfisch – mehr Schatten als Detail, aber absolut beeindruckend.
Doch auch unter Wasser bleibt die Kehrseite sichtbar: gebleichte Korallen, beschädigte Strukturen. Klimawandel und Tourismus hinterlassen Spuren, selbst hier. Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – ist jede Runde um die Insel und jeder Schnorchelgang ein intensives Erlebnis.
Diese Erkundungstouren zu Fuß und im Wasser zeigen mir beides: die unfassbare Schönheit und die spürbare Verletzlichkeit dieses Ortes. Und genau das macht diese Insel so besonders.
Delfinglück, Schildkrötenmagie und ein fliegender Riese
Ausflüge
So traumhaft das Inselleben auch ist – irgendwann wollen wir mehr sehen als nur unsere eigene Insel. Die Maledivenkönnen mehr als Strand, Liege und Sonnenuntergang. Und das lassen wir uns nicht entgehen.
Ausflug Nummer eins: Dolphin Watching. Wir steigen am späten Nachmittag in ein kleines Boot. Die Sonne steht schon tief, das Licht wird weich, alles sieht nach National-Geographic-Moment aus. Wir schauen links. Wir schauen rechts. Wir fahren Schleifen, Kurven, Zickzack. Eine Stunde lang. Ergebnis: keine Delfine.
Die Kinder sind kurz enttäuscht, fangen sich aber schnell wieder. Denn selbst ohne springende Meeressäuger ist diese Bootsfahrt ein Erlebnis: Wind im Gesicht, warmes Licht, ein Sonnenuntergang, der alles wieder gutmacht. Manchmal ist der Weg eben das Ziel – und manchmal sind Delfine einfach anderweitig beschäftigt.
Ausflug Nummer zwei wird persönlicher. Ich mache mich mit meiner älteren Tochter auf den Weg – Ziel: Meeresschildkröten. Maske auf, Flossen an, rein ins Wasser. Und tatsächlich: Schon nach kurzer Zeit sehen wir mehrere Tiere. Ruhig, majestätisch, völlig unbeeindruckt von uns.
Auf den Malediven leben fünf der weltweit sieben Meeresschildkrötenarten. Am häufigsten begegnet man der Grünen Meeresschildkröte und der Echten Karettschildkröte. Die Tiere sind nicht riesig, eher mittelgroß – aber das spielt in dem Moment keine Rolle. Ihre Bewegungen wirken schwerelos, fast meditativ.
In meiner einen Hand die Kamera, in der anderen die Hand meiner Tochter. Dann taucht eine Schildkröte direkt unter uns auf, steigt langsam nach oben und ist plötzlich fast auf Augenhöhe. Unglaublich nah. Für ein paar Sekunden steht die Zeit still. Anfassen natürlich verboten – und völlig unnötig. Allein diese Nähe ist Geschenk genug.
Ausflug Nummer drei setzt noch einen drauf: Mantarochen.
Wieder geht es mit dem Boot hinaus. Die Guides spotten die Tiere vom Boot aus. Dann ein Zeichen. Rein ins Wasser. Beim zweiten Versuch sehen wir ihn: ein Mantarochen. Riesig. Elegant. Mit rund fünf Metern Spannweite gleitet er ruhig an uns vorbei. Ich staune, fotografiere, bin komplett hin und weg.
Auf dem Rückweg lassen sich sogar Delfine blicken - die Kinder dürfen nicht erfahren, dass nur ich in den Genuss dieser Tiersichtung gekommen bin.
So still, so klein, so groß
Fazit
Es ist erstaunlich still. Und genau das bleibt. Zwei Wochen verbringen wir auf dieser kleinen Insel – auf rund 750 Metern – und trotzdem wird es nie langweilig. Die Tage fliegen vorbei, leise, sanft, ohne Hektik.
Auch wenn alles mit Schönrederei begann. Auch wenn wir uns erst überzeugen mussten, dieses Reiseziel und dieses Budget zu investieren. Bereut haben wir es keine einzige Sekunde.
Dieser Urlaub wird uns noch lange begleiten. In Erinnerungen, Gesprächen, Bildern. Unzählige Fotos und Videos sind entstanden – und das, obwohl wir uns nur auf einem sehr kleinen Fleck Erde bewegt haben. Vielleicht gerade deshalb.
Am Ende verlassen wir die Insel frühmorgens mit dem Wasserflugzeug. Müde, leise, ein bisschen wehmütig. Und ja – es klingt wie eine Floskel. Aber hier stimmt sie wirklich: Hier muss man gewesen sein. Und hier möchte man wieder hin.
Das waren die Malediven!
Die Malediven bleiben. Nicht als perfektes Postkartenmotiv, sondern als Gefühl. Als Stille, als Nähe zur Natur, als Erinnerung an einen Ort, der klein ist – und trotzdem unglaublich groß wirkt. Ein Urlaub, der nachhallt. Und einer, zu dem man gerne zurückkehrt.
Jetzt weiter nach Bali!
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